Deutsch - Turkmenische Beziehungen

 

Zusammenarbeit im wirtschaftlichen Bereich

 


Deutschland, das bereits kurz nach der Unabhängigkeit Turkmenistans diplomatische Beziehungen mit dem Land aufnahm und dort eine Botschaft eröffnete, etabliert sich neben der VR China, Russland, dem Iran, der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu einem zunehmend wichtigen Handelspartner Turkmenistans. So stieg das gesamte Handelsvolumen von 294 Mio. Euro im Jahr 2009 auf 330 Mio. Euro im Jahr 2010. Die Exporte Deutschlands nach Turkmenistan beliefen sich im Jahr 2010 auf rund 260 Mio. Euro (2009: 255 Mio. Euro), während die Importe ein Volumen von 70 Mio. Euro (2009: 39 Mio. Euro) hatten. Die Ausfuhren beinhalten Ausrüstung für die Industrie, Fahrzeuge und Kfz-Teile, Bautechnik, Chemieerzeugnisse, Pharmazeutika, Geräte zur Elektrizitätsversorgung und -verteilung, Nachrichtentechnik sowie Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, während es sich bei den Einfuhren hauptsächlich um Öl, Ölprodukte sowie Textilien bzw. Bekleidung handelt. Die Handelsbeziehungen sind allerdings noch ausbaufähig und das Land birgt großes Potenzial für deutsche Unternehmen, da deutsche Produkte in Turkmenistan einen sehr guten Ruf genießen.


Vertiefung der deutsch-turkmenischen Wirtschaftsbeziehungen


Bei seinem offiziellen Besuch in Deutschland im November 2008 unterstrich Präsident Berdimuhammedov die guten Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit Deutschland und deutschen Firmen und forderte dazu auf, die bestehende Kooperation zu vertiefen und auszuweiten. Deutsche Produkte, Hochtechnologie und Management, aber auch Erfahrungen beim Aufbau eines demokratischen Rechtsstaates würden in Turkmenistan hoch geschätzt und seien hochwillkommen. Besonderes Interesse bestehe an einer Zusammenarbeit im Energiebereich sowie in den Bereichen Transport und Verkehr, Umwelt- und Landschaftsschutz, Telekommunikation, Maschinen- und Anlagenbau, Stadtentwicklung, erneuerbare Energien, Medizintechnik, Bildung sowie Wissenschaft und Forschung. Auch beim Besuch von Außenminister Westerwelle im November 2011 in Turkmenistan lobte Berdimuhammedov die sehr guten Beziehungen zu Deutschland und sprach sich für eine intensive Zusammenarbeit aus. Auch Westerwelle unterstrich das große Potenzial Turkmenistans für deutsche Unternehmen und sah großes Interesse seitens Turkmenistans die wirtschaftliche Partnerschaft auszubauen.


Deutsch – turkmenisches Wirtschaftsforum und Tag der Deutschen Wirtschaft


Im Mai 2009 fand ein deutsch-turkmenisches Wirtschaftsforum unter Beteiligung der deutschen Wirtschaft in Ashgabat statt. Das wachsende unternehmerische Interesse an Turkmenistan in Deutschland gab den entscheidenden Anstoß zur Gründung einer „Deutsch - turkmenischen Regierungsarbeitsgruppe Wirtschaft und Handel“. Aufgabe dieser Arbeitsgruppe ist es, die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu intensivieren und konkrete Unternehmensprojekte, die staatlicher Förderung bedürfen, voranzutreiben. Eine engere Zusammenarbeit wurde auch für die Bereiche Zoll- und Steuergesetzgebung, Aus- und Weiterbildung, Energie, Gesundheitswesen, Baustoffindustrie, Textilindustrie, Infrastruktur, Transport und IT vereinbart. Von besonderer Bedeutung ist aus deutscher Sicht die Zusammenarbeit im Energiebereich verfügt doch Turkmenistan die viert größten Gasreserven der Welt. Ein weiteres wichtiges Potenzial besteht im Infrastrukturbereich, ein Bereich in dem Deutschland einen Beitrag zu der notwendigen, umfassenden Modernisierung der öffentlichen und privaten Infrastruktur leisten kann.
Am 30. November 2011 fand in Aschgabat erstmals der Tag der Deutschen Wirtschaft in Turkmenistan statt. Im Rahmen der Veranstaltung informierten sich über 300 Teilnehmer über die Perspektiven der deutsch-turkmenischen Wirtschaftsbeziehungen.


Deutsch – Turkmenisches Forum e.V.


Im Herbst 2008 gründeten engagierte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft das Deutsch - Turkmenische Forum e.V. Das Deutsch - Turkmenische Forum versteht sich als Plattform für die Herstellung von persönlichen Kontakten und Begegnungen zwischen Deutschen und Turkmenen und will die Zusammenarbeit auf sicherheitspolitischem Gebiet sowie im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich vertiefen. Schwerpunkte sind der Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen, die Kooperation im Wissenschafts- und Hochschulbereich, der Tourismus und der kulturelle Dialog. Dem Forum gehören, Politiker, Parlamentarier, Wissenschaftler und Vertreter der Wirtschaft an. Präsident des Deutsch - Turkmenischen Forums ist der frühere Parlamentarische Staatssekretär im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Herr Klaus - Jürgen Hedrich, Beauftragter für Kultur ist Herr Cambis Gesseljay.


Rechtliche Rahmenbedingungen


Ein bilaterales Investitionsschutz- und -förderungsabkommen besteht seit 2001. Das noch aus sowjetischer Zeit stammende Doppelbesteuerungsabkommen hat weiterhin Gültigkeit. Das im europäischen Parlament wegen der unbefriedigenden Menschenrechtlage in Turkmenistan lange Zeit umstrittene Interim- Partnerschafts- und Kooperationskommen mit der EU wurde im Mai 2009 vom Europäischen Parlament gebilligt und gibt der Intensivierung der Beziehungen weiteren Auftrieb.


Deutsche Wirtschaft in Turkmenistan


Deutsche Unternehmen sind bereits seit vielen Jahren in Turkmenistan tätig. Seit der Unabhängigkeit Turkmenistans waren und sind deutsche Firmen an ungefähr 125 Investitionsprojekten beteiligt und gegenwärtig sind mehr als 62 deutsche Vertretungen, Niederlassungen und Joint Ventures  im Land registriert (Stand Dezember 2011).  Zu den in Turkmenistan tätigen Unternehmen zählen u. a. Siemens, RWE Dea, Wintershall, Daimler, Deutsche Bank, Commerzbank, Zeppelin International AG, PWT Wasser- und Abwassertechnik, Bentec, Unionmatex Industrieanlagen, Wirtgen International, etc.


Deutsche Unternehmen in Turkmenistan


2009 gingen RWE Dea und Turkmenistan eine Energiepartnerschaft ein. RWE erhielt die Lizenz zur Erschließung und Entwicklung des Blocks 23 im Kaspischen Meer. Diese langfristige Kooperationsvereinbarung stellt einen wichtigen Schritt auf dem Wege zur Realisierung turkmenischer Erdgaslieferungen nach Deutschland und Europa dar. EU und deutsche Politiker bemühen sich, Turkmenistan in das von der EU geförderte Nabucco Projekt einzubinden, einer Gaspipeline durch das Kaspische Meer und die Türkei nach Europa, die dazu beitragen soll, die Energiesicherheit Deutschlands und Europas zu verbessern.
Siemens und die turkmenische Regierung vereinbarten eine strategische Partnerschaft in den Sektoren Medizintechnik, Industrie und Energie. Rohde und Schwarz erhielt den Auftrag für die Ausstattung des neuen Präsidentensitzes mit modernster Elektronik. Die Commerzbank und die Deutsche Bank unterstützen das Land bei der Reform des Finanz und Bankwesens.
Das Unternehmen Hospitalia International (eine Tochter der Fresenius GmbH) ist seit mehr als 15 Jahren in Turkmenistan tätig. Es hat bisher über 30 allgemeine und Fachkliniken, Krankenhäuser und Sanatorien geplant und in Kooperation mit den Unternehmen Dräger, Siemens und Fresenius mit medizintechnischer Ausrüstung ausgestattet. Im Jahr 2011 wurden Zentren für Augenheilkunde und Traumatologie sowie ein Krankenhaus für den Grenzdienst ausgerüstet.
Die Firma Petkus Technologie GmbH erhielt einen Auftrag für den Bau von fünf Getreidelagern mit einer Gesamtkapazität von 350.000 t. Claas Global Sales GmbH lieferte 36 Traktoren an Bauern in der Region Mary.


Perspektiven


Die Aussichten für intensivierte Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Turkmenistan sind vielversprechend. Turkmenistan wird in naher Zukunft vermehrt Erdgas exportieren können, wodurch der Staat hohe Einnahmen erzielen wird. Somit kann es sich Turkmenistan leisten in vielen Bereichen im Land zu investieren. Deutsche Produkte genießen hohes Ansehen in Turkmenistan und erfreuen sich großer Beliebtheit, so dass hier großes Potenzial für deutsche Unternehmen und ihre Waren und Dienstleistungen besteht.




Caspian Way - Turkmen Business

Aktuelles

Archiv >>
Turkmenistan Kulturinstitut