Die Wirtschaft

Im wirtschaftlichen Bereich verfolgt Turkmenistan eine Politik der offenen Tür, sucht die Kooperation mit ausländischen Partnern und ist offen für ausländische Investitionen. Das Land ist reich an natürlichen Ressourcen - Erdgas, Erdöl, Baumwolle, mineralischen Rohstoffen und bekannt für seine Teppiche. Die Erschließung der Erdgasvorkommen sowie der Transport des Erdgases zu den lukrativen Märkten Europas und Asiens stellen das Land, das über keinen direkten Zugang zu den Weltmeeren verfügt, vor große Probleme. Mit der Inbetriebnahme der Erdgas Pipeline Turkmenistan - China und einer zweiten Pipeline in den Iran wurde das bisherige Pipelinemonopol von GAZPROM gebrochen und ein wichtiger Schritt in Richtung der von Turkmenistan propagierten Diversifizierung der Erdgasexporte getan. Die EU verhandelt mit Turkmenistan über Erdgaslieferungen, für die geplante Nabucco Pipeline. RWE erhielt eine Lizenz für Offshore Bohrungen im Kaspischen Meer. Der Ausbau der petrochemischen Industrie wird mit ausländischer Unterstützung ebenso intensiviert wie die Stromerzeugung, die Turkmenistan bereits heute zu einem der größten Stromexporteure in der Region macht. Das Land verfügt über günstige Bedingungen für die Nutzung regenerativer Energien (Solarenergie, Windkraft). Man rechnet für Turkmenistan mit einem anhaltenden Wirtschaftswachstum. Das BIP wuchs im Jahr 2010 um 9,2 Prozent. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2011 steigerte sich das BIP im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14,6 Prozent. Die turkmenische Regierung hat sich ambitionierte Wachstumsziele gesetzt. So soll bis 2015 das BIP pro Einwohner gemessen in Kaufkraftparitäten 21.700 US-Dollar erreichen und bis zum 2020 sogar auf 32.000 US-Dollar steigen. Im Jahr 2010 betrug das BIP pro Einwohner 3.677 US-Dollar, gemessen in Kaufkraftparitäten 6.805 US-Dollar. Die Inflation betrug im Jahr 2010 4,8 Prozent. Für 2011 und 2012 wird die Inflationsrate auf 6,1 Prozent bzw. 7,3 Prozent geschätzt.

Das Wirtschaftspotenzial

Turkmenistans Hauptwirtschaftszweige sind:

In der Kara - Bogas- Gol Bucht am Kaspischen Meer wird Natriumsulfat abgebaut und im Zentrum der Kara-Kum Wüste sowie im Südosten des Landes Schwefel.

Im Bereich der verarbeitenden Industrie sind neben der Verarbeitung von Erdöl (Raffinerien in Turkmenbashy und Seydi) auch Elektrizitätserzeugung und die Baumwollverarbeitung von Bedeutung.

Die chemische Industrie, die Baustoffindustrie, der Maschinenbau und die Nahrungsmittelindustrie sind unterentwickelt.

Eine Konsumgütergüterindustrie ist im Aufbau.

Die Produktivität der landwirtschaftlichen Betriebe ist gering.

Reformen

Turkmenistan hat weitreichende Reformen in Angriff genommen.

Schwerpunkte sind:

Ein spezielles Programm zur Förderung ländlicher Gebiete und zur Verbesserung der Lebensbedingungen für die auf dem Land wohnenden Menschen wurde erstellt.

Für die Umsetzung der Reformen sucht Turkmenistan ausländische Unterstützung und ausländisches Kapital.

Darüber hinaus ist die Regierung weiterhin bestrebt die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung weiter zu steigern und die allgemeinen Rahmenbedingen zu verbessern. Außerdem hat die Regierung Reformen im Banksektor verabschiedet (siehe Finanz- und Bankwesen). Ferner laufen Vorbereitungen internationale Standards, beispielsweise International Financial Reporting Standards (IFRS), in Turkmenistan einzuführen.

Außenhandel

Turkmenistans Wirtschaft ist abhängig von den Rohstoffexporten des Landes - Öl, Erdgas und zu einem geringeren Maße Baumwolle. Haupthandelspartner des Landes sind die GUS, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei, der Iran, China, Korea, die EU und die USA.

Importiert werden Maschinen, Fahrzeuge und Ausrüstung, Chemieprodukte und Konsumgüter. Über 50% der Importe stammen aus Ländern Asiens. Die Einführzölle sind gering.

Das Außenhandelsvolumen Turkmenistans betrug im Jahr 2010 insgesamt ca. 17,9 Mrd. US-Dollar (Importe 8,2 Mrd. US-Dollar, Exporte 9,7 Mrd. US-Dollar). wird in den nächsten Jahren mit einem Wachstum des Außenhandelsvolumens gerechnet, da die turkmenischen Erdgasexporte in den nächsten Jahren weiter ansteigen werden. So legte der Außenhandel in den ersten fünf Monaten des Jahres 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 37,9 Prozent zu. Erdgas, Erdöl und Ölprodukte sind die mit Abstand wichtigsten Exportgüter. Ihr Anteil betrug im Jahr 2010 über 80 Prozent der gesamten Ausfuhren. Weitere Exportgüter sind landwirtschaftliche Erzeugnisse, Baumwollfasern, Textilien, Strom und chemische Erzeugnisse (Polypropylen). Aufgrund der Gasexporte sind die wichtigen Exportländer Russland, der Iran und die VR China. Turkmenistan importiert technische Ausrüstungen (Importanteil von ca. 30 Prozent), Roh- und Hilfsstoffe, Zwischenprodukt sowie sonstige Materialien für die Produktion (ca. 30 Prozent), Transportmittel/Kfz-Teile (ca. 10 Prozent), Lebensmittel (ca. 10 Prozent) sowie weitere Konsumgüter und Arzneimittel (ca. 20 Prozent). Die wichtigsten Lieferländer sind die Türkei, die VR China, Russland, Vereinigte Arabische Emirate, der Iran, Frankreich, Deutschland, die Ukraine und Kasachstan

Finanz - und Bankwesen

Der turkmenische Finanz- und Banksektor ist zweistufig organisiert. Regulator ist die Zentralbank von Turkmenistan. Daneben gibt es elf Geschäftsbanken, wovon sich fünf im staatlichen Besitz befinden, die das Bankgeschäft dominieren. Im Bereich des Finanz- und Bankwesens sind in den letzten Jahren wichtige Reformen unternommen worden. Dazu zählen die Vereinheitlichung der beiden Wechselkurse der Währung zu einem offiziellen Wechselkurs, die Einführung des Neuen Manat als Währung im Januar 2010 und die Etablierung eines Stabilitätsfonds. Darüber hinaus wurde der Zugang zu Bankkrediten für turkmenische Unternehmer erleichtert, um den privaten Sektor zu stärken. Die Regierung hat ein Programm zur Entwicklung des Banksektors bis zum Jahr 2030 sowie weitere Gesetze zum Bankwesen verabschiedet (Law on Central Bank of Turkmenistan und Law on Commmercial Banks and Banking). Das Land hat seine Zusammenarbeit mit IWF und Weltbank intensiviert und darüber hinaus sind Entwicklungsbanken wie EBRD oder ADB in Turkmenistan tätig.

 

 

Unternehmertum

Das private Unternehmertum in Turkmenistan ist noch ausbaufähig. Offiziell wird für das Jahr 2008 ein Anteil von 40 Prozent des nichtstaatlichen Sektors am BIP angegeben. Die EBRD schätzt den Anteil für das Jahr 2010 auf 25 Prozent. Die Regierung hat sich das Ziel gesetzt den Anteil auf 70 Prozent im Jahr 2020 zu steigern. Grundsätzlich ist eine leichte Verbesserung der Rahmenbedingungen für privates Unternehmertum zu beobachten. Der erleichterte Zugang zu Krediten zur Stärkung des privaten Sektors ist hier ein wesentlicher Bestandteil der Reformmaßnahmen. Ferner wurde das Steuersystem vereinfacht und ein neues Steuerrecht eingeführt. Darüber hinaus werden große Anstrengungen unternommen, wirtschaftliches Denken und Handeln sowie modernes Management im wirtschaftlichen Bereich und in staatlichen Institutionen zu fördern. Deutschland und Turkmenistan haben ein bilaterales Managerfortbildungsprogramm initiiert, in dessen Rahmen pro Jahr 30 Personen nach Deutschland eingeladen werden. Das private Unternehmertum konzentrierte sich bisher vor allem auf den Handel- und Dienstleistungssektor, allerdings gewinnt das Transportwesen und insbesondere der Bausektor zunehmend an Bedeutung.

Investitionsklima

Zwar ist ein Verbesserung des allgemeines Investitionsklimas zu beobachten, doch es bestehen noch immer Probleme, wie Visavergabe, Korruption, Ineffizienz staatlicher Stellen und fehlende Transparenz. Die Rahmenbedingungen für ausländische Investitionen wurden verbessert (Devisenregelungen, steuerliche Anreize, Rechtsschutz, Zollfreiheit für Ausrüstungen) und ein neues Gesetz über Investitionen ist verabschiedet worden. Das Gesetz sieht u.a. die Gründung von Joint-Ventures mit turkmenischen Unternehmen, die Gründung eigener Unternehmen in Turkmenistan, den Erwerb von bestehenden turkmenischen Unternehmen, die Eröffnung von Filialen ausländischer Unternehmen, den Erwerb von Immobilien etc. vor. Die staatlichen Garantien für ausländische Investitionen wurden erheblich erweitert.

Ausblick

Die Aussichten für Turkmenistan sind vielversprechend. Da das Land noch nicht so stark in die Weltwirtschaft integriert ist, war es von der Finanzkrise kaum betroffen. Es wird davon ausgegangen, dass Turkmenistan in den nächsten Jahren steigende Einnahmen aus dem Export von Erdgas erzielen kann. Vor allem die Lieferungen in die VR China werden weiter ansteigen und gegenwärtig wird sogar die Erweiterung der Pipelineinfrastruktur in die VR China auf 65 Mrd. m³ pro Jahr in Erwägung gezogen. Mit den erzielten Einnahmen sind Investitionen in die Diversifizierung der Wirtschaft möglich. Auch für ausländische Investoren birgt dies ein großes Potenzial, da sie von den Ausgaben in verschiedene Projekte profitieren können. Der weitere Ausbau der Tourismuszone Avaza und Investitionen in den Öl- und Gassektor sind zwei Beispiele der Vielzahl von Vorhaben der turkmenischen Regierung. Darüber hinaus birgt der stark anwachsende turkmenische Bausektor vielversprechende Investitionsmöglichkeiten. Parallel unternimmt Turkmenistan weitere Reformanstrengungen, um das Investitionsumfeld zu verbessern und ausländische Investitionen anzuwerben. Der Kampf gegen Korruption und das Bestreben die Verwaltung transparenter und effizienter zu gestalten sind nur einige Beispiele. Trotz aller Schwierigkeiten, die der gegenwärtige Transformationsprozess mit sich bringt, machen die politische Stabilität des Landes, das anhaltende Wirtschaftswachstum und die verbesserten Bedingungen für ausländische Investoren das Land zu einem zunehmend attraktiven Investitionsstandort.




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